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Vorwürfe gegen euch bzgl herablassendes Behandeln
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 Aspiologe
Aspie (S)
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Anmeldungsdatum: 15.11.2007
Letzter Besuch: 05.07.2010
Beiträge: 214

BeitragVerfasst am: 15.11.2007 22:04    Titel: Vorwürfe gegen euch bzgl herablassendes Behandeln

Hallo!

Es ist gibt etwas was mich brennend interessiert.

Ist euch von Bekannten, Freunden, Familienmitgliedern und/oder Arbeitskollegen vorgeworfen worden, daß ihr sie von oben herab behandelt?

Ich habe höchstwahrscheinlich wegen dieser Problematik mein Praktikumsplatz verloren, obwohl ich nicht verstehe, was ich denn falsch gemacht haben könnte.

Ein Freund von mir meinte ähnliches zu mir, obwohl auch nicht weiß, was er meint. Vielleicht sollte ich ihn mal fragen.
_________________
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 Dana
Aspie (S)
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Anmeldungsdatum: 03.06.2007
Letzter Besuch: 29.08.2010
Beiträge: 176

BeitragVerfasst am: 16.11.2007 21:16    Titel:

Hallo,

ich wirke auf die meisten arrogant, herablassend etc. Dabei weiß ich nicht warum........viele sagen, meine Sprache und Ausdrucksweise sei zu genau und ich sei eine "Erbsenzählerin".

Naja, so ist das eben.

LG
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 nana
Admin
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Anmeldungsdatum: 11.11.2005
Letzter Besuch: 03.11.2009
Beiträge: 126
Wohnort: Hemsbach

BeitragVerfasst am: 16.11.2007 21:38    Titel:

hallo ihr Zwei,

sowas von wegen arrogant, und irgend wie abgehoben habe ich mir auch schon oft anhoeren muessen. Erbsenzaehlerin, Korintenkackerin und 'madame-heute-nehmens-wir-aber-sehr-genau' musste ich auch schon oft hoeren.

War wahrscheinlich einfach auch ein bisschen Unverstaendnis bei den Anderen, die einem sowas sagen.

Dabei habe ich auch schon Situationen erlebt, in denen mir sowas bei den Menschen um mich rum auffaellt, aber dann hiess es bisher eben, dass das ja 'ganz was anderes' sei.

Jetzt, wo ich einfach aufhoere solche Dinge zu reflektieren, und mich weder gelangweilt noch aufgeregt damit beschaeftige, geht es mir besser damit. Ich habe einfach in meine Wesenheit eingebaut, dass ich so detailarm wie moeglich anfange Dinge zu erzaehlen, und dann eben detaillierter werde, wenn ich den Eindruck habe, der Andere will das so.

Aber dafuer muss man sehr viel Konzentration aufwenden, und das kann ich auch nicht immer.

Den scheinbaren Arroganz-Aspekt bin ich aber nie losgeworden.
_________________
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 Dana
Aspie (S)
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Anmeldungsdatum: 03.06.2007
Letzter Besuch: 29.08.2010
Beiträge: 176

BeitragVerfasst am: 16.11.2007 23:39    Titel:

Das ist ein logisches und praktisches Verhalten, WENN man den Eindruck hat, dass der andere die Details hören will.........wenn man es nicht merkt, bringt es einem wenig.....

LG
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 Erdnuckel
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Anmeldungsdatum: 06.02.2007
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Beiträge: 75
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 17.11.2007 01:28    Titel:

huhu!

ich vermeide mittlerweile gruppenkonstellationen oder situationen, in denen die gefahr besteht, dass ich als *gruppenleiterin* oder ähnliches fungiere. denn mir wird DAUERND vorgeworfen, ich wäre arrogant, herablassend, bestimmend, und so weiter.

wobei oft scheinbar gar nicht das problem ist, das WAS ich sage, sondern der sogenannte TON. aus irgendeinem grund treffe ich immer (scheinbar) den ton der herablassend wirkt.

mittlerweile sage ich, wenn ich zum beispiel auf behindertenferienfreizeit bin, dass ich scheinbar oft angreifend wirke. dass ich das, gerade in stresssituationen, NICHT persönlich meine. und man mich BITTE ansprechen möge, denn in den aller allermeisten fällen meine ich es anders als es ankommt. damit fahre ich relativ gut (auch wenns oft heißt: ach so schlimm wirds schon nciht sein.. und hinterher.. naja). sind menschen dabei, die ich kenne, dann gehe ich oft auch mit einem hinweis zu denen und bitte sie, es an die entsprechende personw eiterzugeben - in dem wissen,d ass DIESER person es nicht übel genommen wird, im gegenteil, der angesprochene sogar oft dankbar (!!) ist. mir fallen halt oft kleinigkeiten auf, gerade auch in stressigen situationen (weihnachtsmärchen im theater zum Beispiel)

meint ihr, das wäre auch ain aspie-typischer zug ?
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 nana
Admin
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Anmeldungsdatum: 11.11.2005
Letzter Besuch: 03.11.2009
Beiträge: 126
Wohnort: Hemsbach

BeitragVerfasst am: 17.11.2007 13:11    Titel:

@dana:
ja natuerlich, wenn ich es nicht merke, dann hat der Andere entweder pech oder fragt nach lächel

@erdnuckel:

Schwer zu sagen ob das jetzt zu Aspie-marotten zu zaehlen ist oder nicht, es ist wohl aber recht haeufig zu sehen und macht die nichtaspies verunsichert, wenn Aspie dann so 'ruede' wird.
Bekannte drauf anzusprechen, Geheimzeichen auszumachen, und nach solchen Situationen drueber reden und analysieren scheint das beste zu sein, was man machen kann.

Vielleicht hilft es einfach aelter zu werden und sich viele Situationen zu merken, und so das 'repertoire' zu erweitern und den Stress kleiner werden zu lassen.

Mir hilft es immer gut, wenn ich mit einem Therapeuten drueber reden kann, und sowas wie einen allgemeinen Plan fuer Situation X oder Y auszuarbeiten, an den ich mich dann halten kann, und vielleicht auch improvisieren, wenn ich weiss es nimmt mir keiner Uebel, wenn ich patze.
Unter Stress ist wohl jeder anders, und Leute, deren Sinne leicht ueberfordert werden koennen, scheinen oft darauf mit aggressiven Zuegen zu reagieren.
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 baddog



Anmeldungsdatum: 01.07.2007
Letzter Besuch: 04.09.2010
Beiträge: 91
Wohnort: in meinem Zimmer

BeitragVerfasst am: 23.11.2007 19:22    Titel:

Als ich noch jünger war, haben mir das einige Leute vorgeworfen. Jetzt kann ich mein Verhalten besser reflektieren und vermeide es arrogant zu wirken. Obs gelingt weiß ich nicht, jedenfalls gab es keine weiteren Beschwerden.
_________________
Gruss, Baddog
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 Aspiologe
Aspie (S)
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Anmeldungsdatum: 15.11.2007
Letzter Besuch: 05.07.2010
Beiträge: 214

BeitragVerfasst am: 02.12.2007 15:06    Titel:

baddog hat Folgendes geschrieben:
Als ich noch jünger war, haben mir das einige Leute vorgeworfen. Jetzt kann ich mein Verhalten besser reflektieren und vermeide es arrogant zu wirken. Obs gelingt weiß ich nicht, jedenfalls gab es keine weiteren Beschwerden.


Bei mir ist das ein Dauerzustand.

Egal wo ich bin, irgendwie habe ich das merkwürdige Talent mein Ansehen durch mir unbekannte Dinge zu ruinieren.
_________________
...
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 Gast
Gast






BeitragVerfasst am: 07.01.2010 18:03    Titel:

Nicht als Provokation gemeint, sondern ehrlich, und aus langer Erfahrung :

Was diesen Konflikt betrifft, gibt es es nur eine würdige Lösung :
Anstatt sich dauernd zu überlegen, wie und wo man sich anpasst, einfach mal anfangen zu leben. Bringt euch nicht in Situationen wo ihr den Leuten mit denen ihr nicht klarkommt, nicht ausweichen könnt. Die meisten Menschen sind langweilig, und so wie so nicht wert, kennengelernt zu werden, wenn doch, merkt man das in der Regel recht schnell.

Man hat (in der Regel) als AS-Betroffener zwei wunderbare Vorteile :
1. Man erkennt Gruppendynamik/psychologische Zusammenhänge, die NT eher intuitiv beherrschen sehr schnell und kann das zu seinem Vorteil ausnutzen, weil die meisten Menschen SO berechenbar sind, und entsprechend beinflußt werden können. Dies hilft beim Umgang mit Menschen denen man nicht ausweichen kann/möchte. Gilt aus nicht für alle NT, ich habe Freunde lächel

2. Mann kann und will sehr gut allein sein/leben, und ist nicht darauf angewiesen von allen (oder den meisten Menschen) gemocht zu werden.

Soweit von mir.
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 Athena
Gast






BeitragVerfasst am: 11.04.2010 11:04    Titel:

Zitat:
"Man hat (in der Regel) als AS-Betroffener zwei wunderbare Vorteile :
1. Man erkennt Gruppendynamik/psychologische Zusammenhänge, die NT eher intuitiv beherrschen sehr schnell .."

Das ist ein sehr interessanter Aspekt. Mir ist allerdings unklar, ob Aspies eine Gruppendynamik "schneller/ besser" erfassen können oder eben NTs eine Situation intuitiv schneller erfassen.

Ich habe bei mir den Eindruck, dass ich eine Gruppen-Situation schnell "gefühlsmäßig" erfassen kann, auch die Dynamik oder psychologischen Zusammenhänge. Sogar schneller als die anderen. Aber widerspricht das nicht dem AS (keine Intuition) ??

Der Fußballer Andreas Möller hat einmal folgenden genialen Spruch gesagt:
„Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl.“
sehr fröhlich
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 Partikelkanone



Anmeldungsdatum: 16.11.2009
Letzter Besuch: 04.09.2010
Beiträge: 31

BeitragVerfasst am: 16.04.2010 23:21    Titel:

Gast hat Folgendes geschrieben:

Was diesen Konflikt betrifft, gibt es es nur eine würdige Lösung :
Anstatt sich dauernd zu überlegen, wie und wo man sich anpasst, einfach mal anfangen zu leben. Bringt euch nicht in Situationen wo ihr den Leuten mit denen ihr nicht klarkommt, nicht ausweichen könnt. Die meisten Menschen sind langweilig, und so wie so nicht wert, kennengelernt zu werden, wenn doch, merkt man das in der Regel recht schnell.



Sehr schön gesagt und ich denke genauso.
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 aspieman



Anmeldungsdatum: 07.05.2010
Letzter Besuch: 24.07.2010
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 08.05.2010 21:49    Titel:

Natürlich kenn' ich (noch kein amtlicher Aspie...) das auch.
Es ist aber auch eine verfahrene Situation. Für mich und entsprechend der Aspie-Symptomlisten gilt den Berichten nach, daß man überempfindlich gegen Zurücksetzung ist, die eigenen Gefühle viel mehr gelten als die anderer Leute (sehr peinliche Erkenntnis, wenn man merkt, daß sie bei einem selber ein Körnchen Wahrheit hat...) und daß Worte bei "uns" zählen wie Pfeile - jemand anders in genau derselben Situation, der nicht so empfindlich ist und bei dem nicht der Knopf gedrückt wird "es passiert schon wieder, weil ich ungewollt so seltsam bin" würde vielleicht was antworten wie "hab' dich nicht so, ich habe absolut nichts Arrogantes gesagt" und zehn Minuten später den Vorwurf vergessen haben.

Ich habe auch lernen müssen, nicht nur "schwarz oder weiß" zu sehen, bei guter Behandlung weiterzumachen und bei schlechter alles hinzuschmeissen, sondern drüber zu reden und mich zu verteidigen. Angriffe und Vorwürfe sind normalerweise gar nicht etwas, was wie eine Bombe explodiert, sondern können eine lange Nachgeschichte an Verhandlungen haben, die vielleicht sogar Verbesserungen nach sich ziehen. Ich habe in meinem bescheidenen Job (halbes Hartz IV Einkommen) gerade so etwas hinter mir, von einer fristlosen Kündigung durch Cheffe zu einer Lohnerhöhung (war sowieso gerade fällig) und Umsetzung jedes einzelnen Vorschlages.
Krasses Mobbing wie oben zu lesen steht, also eine vermutlich aus diesem Grund erfolgte Entlassung aus dem Praktikum, ist am wahrscheinlichsten mit Wehrlosen zu machen. Ich glaube, es gibt viele Aspies, die aus mangelnder Übung oder fehlendem Wissen nur zwei Zustände kennen, stillhalten oder explodieren. Zwischen diesen beiden Verhaltensweisen gibt's aber 'ne Menge zu erforschen...

Das Wort "Arroganz" hasse ich. Es ist die einzige Beleidung und Verleumdung, von der gesellschaftlich anerkannt ist, daß man sie weder begründen muß, noch daß es erlaubt ist, sich dagegen zu verteidigen, noch, daß sie überhaupt wahr ist. Es ist ein feststehender Begriff, der für die "Tat" eingesetzt wird und mit dem dann alles erklärt ist. Auch hier sollte man ein paar Verteidigungslinien in Petto haben. Wie äußerte sich das bei dem Vorfall, wer war dabei, was konkret wirft man mir vor, stehe ich hier wirklich im Chefbüro und drei hochbezahlte Männer beschäftigen sich damit, daß ich was gegen den Hund von der Putzfrau gesagt haben soll (real erlebter Fall bei mir, und ich bin durchgedrungen!) und im Extremfall, "ich bin mit dieser Frxxxe geboren, du glaubst doch nicht, dass ich mich dafür entschuldige, daß ich so bin, wie ich bin".
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 Bahia



Anmeldungsdatum: 10.05.2010
Letzter Besuch: 05.09.2010
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 17.05.2010 12:36    Titel:

aspieman hat Folgendes geschrieben:
Ich habe auch lernen müssen, nicht nur "schwarz oder weiß" zu sehen, bei guter Behandlung weiterzumachen und bei schlechter alles hinzuschmeissen, sondern drüber zu reden und mich zu verteidigen.

Auch ich musste mir das erst mühsam aneignen. Es erweitert zweifellos den Erfahrungs- und Handlungsradius und hilft gegen Gefühle von Machtlosigkeit. Andererseits finde ich es in vielen Fällen vergeudete Energie (oder zumindest unangemessen anstrengend), weil gerade die sachliche Schiene jene Ebene ist, auf der andere ihre emotionalen Bedürfnisse ausleben.

Ich selbst bin sehr viel unpersönlicher unterwegs, als meine Umwelt mir unterstellt. Wenn ich in einer Arbeitsgruppe sitze und es heißt: „Nun hören wir uns alle Beiträge an und danach machen wir Manöverkritik, was gut war, was weniger gut“, dann ist das für mich eine rein sachliche Angelegenheit (obendrein mit einer Aufforderung verbunden). Mich interessiert nur der Inhalt, nicht wer den Beitrag gemacht hat; meinetwegen könnten alle Beiträge anonym vorgestellt werden. Folglich sage ich, was mir auffällt – nicht um zu reden, sondern um mich selbst fachlich weiterzuentwickeln, um aus den Beiträgen zu lernen. Denn wozu sonst soll eine Manvöerkritik gut sein? Wozu sitze ich überhaupt in der Gruppe? Dabei stellt sich aber heraus, dass erstens den anderen weit weniger Details aufzufallen scheinen als mir, und dass mir zweitens ruckzuck Motive unterstellt werden, die ich gar nicht habe: Ich wolle die Leute vorführen, heißt es, in ihren Schwächen herumpulen, mich als besser, schlauer darstellen. Dass ich freilich genauso konsequent die positiven Dinge benenne, die mir auffallen, wie die negativen und dabei immer sachlich argumentiere („Ich finde die Hintergrundmusik zu laut“), nie aber persönlich („Oh, Mann, kriegst du das noch immer nicht hin!“), scheint meine Umwelt wiederum nicht zu registrieren. Das fällt einfach unter den Tisch. Das Urteil steht trotzdem fest: Ich sei ein arroganter Erbsenzähler.

Wenn ich mir mal die Mühe machen sollte, um nachzufragen, was denn arrogant bedeutet, kommen die Leute ins Schwimmen. Kein Wunder, sie fühlen sich ja auf einer persönlichen, emotionalen Ebene angegriffen, dort wo bei mir reine Sachlichkeit angesagt ist. In meinem Verständnis bedeutet arrogant „überheblich“. Und wie das Wort sagt, meint es, dass ich mich als höher, über den anderen stehend betrachte. Und was wäre denn nun im konkreten Fall arrogant an meinen sachlichen Kritikpunkten, so frage ich weiter, und es stellt sich heraus, dass die Vorwürfe argumentativ nicht untermauert werden können. Sie sind inhaltlich nicht zugkräftig (das wäre ja eine wünschenswerte sachliche Diskussion), und was das schwammige Nebenher angeht, das, was die Befindlichkeiten der andern so böse ankratzt, das kann und will meine Umwelt mir nicht darlegen. Die Leute sind nur angefressen und fühlen sich von mir auf den Schlips getreten.

Aber das wiederum zuzugeben hieße ja, einzugestehen, dass man emotional reagiert, keine Argumente hat. Wer will das schon? Keiner will dabei ertappt werden, dass er aus dem Bauch heraus reagiert, ohne den Kopf einzuschalten. Nur die wenigstens werden in dieser Situation anhalten und zu einer Verständigung bereit sein. Die meisten werden ihr Gesicht zu wahren versuchen und nun umso feindlicher auf mich losgehen, zwar wiederum ohne Argumente, aber umso vehementer behauptend: „Da! Hab ich es nicht gesagt! So arrogant bist du! Drehst mir die Worte im Mund um, drückst mich an die Wand!“ Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Eine Verständigung ist da kaum mehr möglich: Ich argumentiere (zäh und taub für die verfahrene Atmosphäre), der andere schreit. Hier könnte nur noch ein Schlichter helfen. Arbeitgeber allerdings – sofern es sich um einen ausreichend wichtigen Vorgang handelt – scheuen meiner Erfahrung nach solche belanglosen Angelegenheiten. Ist der Wurm erst einmal drin, werden sie sich eher von dem vermeindlichen Störenfried trennen, damit wieder Ruhe herrscht, statt genaue Ursachenforschung zu betreiben. Ich stehe dann da und frage mich, wovon ich mehr gehabt hätte: gleich alles hinzuschmeißen und mir diese (manchmal demütigenden) Erfahrungen zu ersparen, oder mich auf die zähe Auseinandersetzung einzulassen, mich zu verteidigen und Energien zu investieren in eine Sache, von der ich nicht mal weiß, ob sie für mich gut ausgehen wird. Die Entscheidung wird man von Fall zu Fall treffen müssen.

Am Einfachsten wäre es ja, es käme gar nicht erst so weit. Aber dafür scheinen wir, die andern und ich, auf zu unterschiedlichen Ebenen unterwegs zu sein: Man wird zu sachlicher Kritik aufgefordert, aber wehe man tut es. Kurios. Die Logik sagt mir, irgendwo muss es eine Stelle geben, wo das gerade noch möglich ist, bevor es ins Gegenteil kippt. Aber wo ist diese Stelle? Und wie definiert sie sich? Ich habe keine Antenne dafür. Aber muss ich deshalb „arrogant“ sein, nur weil andere die Wortbedeutung „sachlich“ aushebeln und dort einfach Emotionen reinpacken, die dort nicht hingehören? Mit Logik hat das nichts zu tun.
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 Ikarus-70



Anmeldungsdatum: 19.01.2008
Letzter Besuch: 05.09.2010
Beiträge: 107
Wohnort: Ostfriesland

BeitragVerfasst am: 17.05.2010 21:06    Titel:

So sind die NTs leider.
Ich habe schon sehr früh Zurückhaltung gelernt um mir den ganzen Ärger zu ersparen.
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 aspieman



Anmeldungsdatum: 07.05.2010
Letzter Besuch: 24.07.2010
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 17.05.2010 22:00    Titel:

Ikarus-70 hat Folgendes geschrieben:
So sind die NTs leider.


Hmm. Der Meinung war ich auch, schon bevor ich den leisesten Verdacht hatte, man könnte mein Verhalten unter "Aspie" zusammenfassen. Aber wie sieht "die andere Seite" aus? Würde ich jemandem Aspie-Eigenschaften verzeihen, selbst wenn ich wüsste, daß er einer ist?

Gestern habe ich gleich nach dem Aufwachen, sozusagen mit freiem Kopf, in einem anderen Forum schon geschrieben:
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Die Leute im Dorf meiden mich. Sie finden mich merkwürdig und unkommunikativ. Auf der Straße renne ich natürlich an ihnen vorbei, ohne eine Ahnung zu haben, daß es meine Nachbarn sind. Menschenansammlungen meide ich, also sieht man mich nie auf gesellschaftlichen Gelegenheiten wie Dorffesten. Und angeeckt bin ich schon bis an die Grenze des Juristischen, weil ich ausraste, wenn etwas nicht läuft, wie vorausberechnet. Dabei bin ich gutwillig und opfere sogar in einem Verein jede Menge Zeit für die Allgemeinheit.

Aber würde ich eigentlich als "Normalmensch" einen Aspie akzeptieren, wenn ich nicht weiß, daß er einer ist, oder sogar dann? Ich muß vorausschicken, daß die erwähnte Person nur ein real erlebtes Beispiel ist, anhand dessen ich meine Gedanken ausspinne. Es gibt keine Gründe, anzunehmen, daß er ein Aspie ist, eher ein gestresster Geschäftsmann, den ich nur in seinem Rückzugsraum, also seinem Heim, kannte.

Ich hatte einen Nachbarn, der mich nie in sein Haus einlud und auch nie andere Leute aus dem Dorf zu Besuch hatte. Bei ihm sah man wohl nur Verwandte und natürlich Freunde seiner beiden Kinder von außerhalb. Ansonsten grüßte er immer höflich und hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Parties in seinem schönen Garten gab's nur ca. einmal im Jahr, ich glaube, er und eines seiner Kinder hatten im Sommer Geburtstag und das war der Anlaß. Er hat wenige Kilometer entfernt eine Tankstelle und als ich hier hinzog, wollte ich natürlich die Bekanntschaft festigen und nur seine Tankstelle nutzen, aber in der Waschanlage gab's Ärger, weil es nicht genau so lief, wie er erwartete: Als ich an meinem Auto nicht die flexible Dachantenne abschraubte, sondern nur umlegte, wie ich das in Waschanlagen bei diesem Auto seit dem Kauf vor 10 Jahren so machte, wurde er sehr grob und agressiv. Es gibt noch so einen Fall: als ich ihn aus Freundschaft daran erinnerte, daß an seiner riesigen Stützmauer Schäden auftraten, flippte er richtig aus, obwohl ich ja nun bestimmt nichts dafür konnte. Aber hätte ich ihn früher erinnert, hätte er diesen Mangel noch dem Makler/Käufer beim beabsichtigten Verkauf seines Hauses angeben können, das war also durch seine Nachlässigkeit anders gelaufen, als er geplant und im Vertrag entworfen hatte.
Als die Kinder aus dem Haus waren, verkaufte er und sie zogen weg, aber in verschiedene Richtungen - mit seiner Frau ist er also auch nicht ausgekommen.

(Nachdenklich) Alles Dinge, die ein Aspie auch hätte bringen können, sie lassen sich durch die Einschränkungen eines Aspie ganz zwangslos begründen. Ich hab' sie mir aber, nicht wissend, daß es Aspies überhaupt gibt, immer so erklärt, daß er eben ein sehr merkwürdiger Kerl ist, der auf Kontakt zu seiner Umgebung keinen Wert legt und auch noch beim kleinsten Problem aus dem Häuschen gerät und sich dann auch vorbeibenimmt.

Und würde ich eigentlich eher angetan von so einem sein, wenn ich wüsste, warum er sich so benimmt, wie er sich benimmt? Ich habe jahrelang meinen Freunden erzählt, das ist eigentlich kein Nachbar, sondern nur einer, der halt die Hausnummer nebendran hat. Wäre die Enttäuschung geringer gewesen, wenn sich herausgestellt hätte, daß der unangenhme Kerl innerlich eigentlich ganz lieb ist und nur aus sich herausgehen kann, wenn man sich um ihn bemüht und immer wieder seine Reaktionen toleriert?
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