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Wer kann helfen? Probleme Partnerschaft AS u NT

 
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 Cosima
Gast






BeitragVerfasst am: 11.06.2010 20:28    Titel: Wer kann helfen? Probleme Partnerschaft AS u NT

Hallo zusammen,

mein Mann 48 J (Asperger A.) und ich 42 J (NT) sind seit 11 J. verheiratet.

Wir leben mit unserem Sohn 8 J (Asperger A.) sehr isoliert.
Der Grund:
Anfangs hatten wir viele wechselnde Bekannte, es begann sich immer eine Freundschaft zu entwickeln doch der Kontakt wurde immer von den Bekannten abgebrochen die angaben, dass sie die zunehmende Ignoranz meines Mannes sowie dessen unangemessenes Verhalten in unterschiedlichen Situationen, seine Empathielosigkeit und egoistisches Verhalten (auch beleidigend) der Grund sei..

Z. B. wenn jemand mir etwas gefühlsbetont von seinen Sorgen berichtet und er dabei ist, dann geht er nicht darauf ein sondern sagt plötzlich wie gut es ihm gehe und dass wir bald in Urlaub fahren usw..... dieses emfpindet natürlich der andere für sehr empathielos wenn er doch eben sagte wie viele Probleme er hätte.
Wenn der Besuch weg ist, sagt er zu mir, dass er von solchem emotionalem Gerede überfordert wäre um ihm fast der Kopf platzen würde......

In der Tat war dem auch so, ich erschrak oft wie taktlos er sein konnte und es noch nicht einmal bemerkte. Selbst als ich ihn darauf ansprach wenn wir alleine waren reagierte er unverständlich und sogar aggressiv dabei wollte ich ihm doch nur helfen.

Die nächsten Jahre lebten wir also sehr zurückgezogen , was mir zwar schwer fiel da ich ein aufgeschlossener Mensch bin aber da ich meinen kleinen Sohn hatte konnte ich damit umgehen. Nun der mein Sohn mich immer weniger braucht fehlen mir meine Mitmenschen zunehmend.
Mein Mann leidet auch unter dieser Situation und hätte gerne Freundschaften zu anderen.

Sein Verhalten gegenüber den Mitmenschen hat sich im Laufe der Jahre gebessert, jedoch sagt er eine Unterhaltung mit anderen wäre für ihn anstrengend er könne dieses nur eine begrenzte Zeit also ca 2 Std und dann nur wenn er das Bedürfnis danach hätte.
Es ist aber auch so, wenn ich mir einen Freundeskreis aufbauen würde und meine Freunde ca 3mal besuchen würde verstünde er das auch nicht und er würde wohl aus Eifersucht oder wie auch immer dagegen sein.
Er straft mich dann mit Schweigen, das tut weh.

Wenn ich mir Besuch nach Hause einlade läuft es immer gleich ab:
Entweder er redet nur über seine Interessen und gibt dem Gesprächspartner nicht das Gefühl auch mal zuzuhören oder er sitzt teilnahmslos daneben schaut ins Leere und sagt gar nix ( was auf den anderen ignorant wirkt) manchmal geht er auch in ein anderes Zimmer....... immer werde ich dann ich gefragt ob es meinem Mann störe wenn SIE da sind, sie hätten diesen Eindruck...... und nach wenigen Tagen oder Wochen ist dann der Kontakt abgebrochen.

Generell ist es so, dass mein Mann immer still wird und sich zurückzieht wenn man ihm mal widerspricht. In so einem Fall kann ich sagen was ich will ich bin für ihn nur noch Luft.
Ich muss zugeben, dass ich manchmal sehr frustriert bin wenn ich mal wieder falsch verstanden werde und ein netter Satz von mir ins Negative gedreht wird.
Dieses hat sich im Lauf der Jahre extrem verschlimmert manchmal weiß ich gar nicht mehr wie ich etwas formulieren soll damit er es nicht negativ auffasst und wir dann wieder heftigen Streit bekommen weil er sich meine Erklärungen gar nicht anhören will oder kann.... da hindert ihn wohl seine Sturheit daran.

Ich habe mich sehr ausgiebig über das Asperger Syndrom informiert und kann diese Eigenheiten inzwischen etwas nachvollziehen. Er hat ja zudem auch zahlreiche positive Eigenschaften nur sind diese Eigenschaften nur für mich sichtbar.

Mein Problem ist die Isolation wie kann ich damit umgehen?
Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir einen Tipp geben?

LG
Cosima
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 Ikarus-70



Anmeldungsdatum: 19.01.2008
Letzter Besuch: 05.09.2010
Beiträge: 107
Wohnort: Ostfriesland

BeitragVerfasst am: 11.06.2010 21:24    Titel:

Hallo,

ich antworte mal als Aspie. Meine NT-Frau ist sehr aktiv in ihrer Gemeinde (2-3 Abende die Woche), und ich lasse sie einfach da hin gehen. Man muss nicht alles gemeinsam machen.

Ich würde Dir empfehlen, dir Freundinnen nur für Dich zu suchen, mit denen Du alleine losziehst. Das muss Dein Mann einfach akzeptieren. Schließlich kommst Du ihm dann ja soweit entgegen, dass er Deine Aktionen nicht auch noch mitmachen muss.

Wenn er das nicht kann, hat er ein Eifersuchtsproblem. Vielleicht kannst Du ihn dann noch bitten, gemeinsam mit Dir eine Eheberatung (oder Pro Familia oder wasauchimmer) aufzusuchen, um das Problem zu beackern.
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 Bahia



Anmeldungsdatum: 10.05.2010
Letzter Besuch: 05.09.2010
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 11.06.2010 22:17    Titel:

Ja, das kenne ich. Nur bin ich der Aspie und mein Partner war der NT. Wir beide waren, was den Bedarf nach sozialen Kontakten betrifft, grundverschieden und letztlich unvereinbar in unseren Bedürfnissen. Mich hat es genervt und bisweilen überfordert, wenn Besuch ins Haus kam (möglichst noch unangemeldet … Horror!), und ihm war es peinlich, dass ich nicht die überzeugende Gastgeberin sein konnte, die seinen Gästen vermittelte, sie seien willkommen.

Wir beide, mein Partner und ich, haben darin nie einen Kompromiss gefunden, denn dafür waren unsere Postionen zu extrem. Aber wir haben uns anders arrangiert, nämlich indem wir diesen Bereich vollständig ausgeklammert haben aus der Gemeinsamkeit. Wir haben es irgendwann einfach sein lassen, einen Kompromiss zu suchen. So bin ich zu Hause geblieben und er hat draußen seine Freunde gesucht und getroffen. Ich habe ihn darin nicht gehindert, nicht durch Ansprüche nach dem Motto „Musst du schon wieder rausrennen?“ oder ständiges Fragen nach wo, wie und mit wem. Dafür hat er respektiert, dass ich meine Ruhe haben wollte, und die Wohnung weitgehend vor Besuch frei gehalten. Das klappte gut seit dem Moment, als wir akzeptieren konnten, dass eine Beziehung nicht bedeuten muss, alles gemeinsam zu unternehmen, sondern dass es oft besser ist, seine Bedürfnisse auf mehrere Menschen zu verteilen. Das entlastet den Partner und einen selbst.

Ich glaube, wir Aspies sind häufig sehr extrem in der Ablehnung von sozialen Kontakten und in unserem Verhalten in geselligen Situationen. Das ist mehr als schüchtern zu sein oder ein bisschen eigenbrötlerisch oder unbeholfen. Das ist, fürchte ich, oft ziemlich absolut und autroritär und macht den Umgang mit uns nicht gerade leicht – auch nicht für Partner. Es kann in einer Beziehung aber nicht gesund sein, wenn ein Partner ständig zurücksteckt und dem andern zuliebe (oder des Friedens Willen) auf soziale Kontakte verzichtet.

Ich würde dich daher darin bestärken, dein Anliegen nicht aus den Augen zu verlieren, sondern ihm Taten folgen zu lassen. Vielleicht musst du dich von dem Wunsch verabschieden, deinen Mann dabeizuhaben, und ohne ihn losziehen. Vielleicht entlastet es ihn sogar, weil der Druck und die Diskussionen dann wegfielen, sobald du da draußen gefunden hast, was dir Spaß macht. Möglicherweise findet ihr doch noch, wenigstens für gelegentlich (und als Zusatz, nicht als Alternative!), eine gemeinsame gesellige Aktivität. Das geht am besten bei gemeinsamen Interessen, zum Beispiel einmal im Monat sich in der Kneipe treffen mit anderen zum Halma-Spielen oder zu einer kleinen Radtour mit Gleichgesinnten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Bereitschaft zum Mittun wächst, wenn ich 1. genug Vorlauf habe, mich darauf vorzubereiten, wenn ich 2. nicht das Gefühl habe, ich müsste nun zuverlässig im gleichen Turnus ein Programm abspulen, und wenn ich 3. sagen kann: „Es ist genug für heute, ich kann nicht mehr; seid mir nicht böse, aber ich muss ins Bett; macht ruhig weiter, lasst euch nicht stören, viel Spaß noch.“

Wenn es beiden Seiten gelingt, entspannt damit umzugehen, kann man die Gemeinsamkeit auf jene Dinge lenken, die beiden Partnern gleich wichtig sind – oder die sich zu einem Kompromiss eignen. Nur, glaube ich, muss man aufpassen, dass man sich nicht entfernt. Das geht oft schleichend. Das sehe ich als Gefahr – das sage ich mal so ganz … hm … ehrlich.

Ansonsten schließe ich mich Ikarus an: Wenn es an Eifersucht scheitern sollte, dann stimmt es woanders nicht und muss dort behoben werden.
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 aspieman



Anmeldungsdatum: 07.05.2010
Letzter Besuch: 24.07.2010
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 12.06.2010 07:45    Titel:

Das mit der Eifersucht hört sich eher nach Verlustängsten an.
Das mit den Freunden ließe sich doch irgendwie lösen, wenn nicht der "Begünstigte", der sich während der stressigen Schwatzbudenabenden irgend 'ne andere Beschäftigung suchen dürfte, selber gegen die Lösung wäre. Kein Mensch, der mich kennt erwartet von mir, daß ich jetzt zur Weltmeisterschaft mit meinen Kumpels Fußball gucke.

Ist Outing eine Lösung für Euch? Es klingt schwer, zu sagen "Mein Mann ist psychisch anders, er findet es zu anstrengend, Gesprächen mit mehreren Leuten stundenlang zu folgen". Aber ich persönlich kann auf den soziale Umkreis, der nicht Verständnis für einen hat, gerne verzichten. Zu entschuldigen habe ich mich nur für das, was ich (aus freiem Willen, nicht aus Zwängen oder Unvermögen) tue, nicht für das, was ich bin. Aspies sind oft genug hochbegabt, arbeiten nicht mit Intrigen, lassen ihre paar Freunde nie hängen und konzentrieren sich sehr gründlich auf die Lösung von Problemen, jedenfalls ist es das, was meine Umwelt a mir schätzt, der Rest kann mich mal;-).

Das geschilderte Verhalten Deines Mannes ist einfach typisch, nicht für schlechte Menschen, sondern für diejenigen seiner psychischen Art. Hier ein Ausschnitt aus http://www.aspergersyndrome.org/Articles/The-Near-Normal-Autistic-Adolescent-%281%29.aspx :

"Irrelevant Speech
Irrelevant speech is, by itself, harmless or even amusing. It is significant, however, as a symptom of inattention and inability to recognize the flow of ideas. For example, an autistic boy who seldom spoke at the dinner table would sometimes perk up when he heard a familiar name and comment on that person’s voice. Thus, whether an individual had been mentioned for winning a science prize or crashing his motorcycle, this boy would be apt to make such a comment as “I remember he had a high soprano voice until eighth grade when it changed to tenor.”"
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